10. Juli - Sobasket
Beginn: 10:30
Dauer: ca. 70 Minuten (ohne Pause)

Matinée: SEBASTIAN BOHREN

Konzert mit Sebastian Bohren - Rezital für Violine solo
Programm: “Viersaitig – Vielseitig”

Ein Rezital für Violine solo stellt jeden Geiger vor große Herausforderungen. Da die Violine als Melodieinstrument ursprünglich nicht für das Mehrstimmige, Polyphone konzipiert wurde, ist es besonders anspruchsvoll, verschiedene Stimmen gleichzeitig zu spielen. Einen ganzen Abend alleine zu bestreiten heißt dann auch, alle fehlenden Stimmen wettzumachen. Diese Herausforderung trifft aber als Ersten den Komponisten, er muss in der Wahl seiner kompositorischen Mittel sicherstellen, dass seine Vorstellungen auch auf den vier Saiten der Violine umzusetzen sind.
Schon im Frühbarock gab es Geigenvirtuosen und bedeutende Komponisten, die Werke für Violine allein geschrieben haben. Darunter Georg Philipp Telemann mit seinen wunderbaren 12 Fantasien für Violine solo (1727 gedruckt), oder der böhmische Virtuose Heinrich Ignaz Franz Biber mit seiner Passacaglia für Violine solo (ca. 1674).
Der wirkliche Höhepunkt der barocken Literatur für Violine solo (oder überhaupt der gesamten Musikliteratur) stammt aber von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750). Er schrieb seine sechs Sonaten und Partiten für Violine solo um das Jahr 1720. Jeder konzertierende Geiger setzt sich wohl ein Leben lang mit diesen Werken auseinander, einen ähnlichen Stellenwert hat höchstens Beethovens Violinkonzert.

Programm

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Sonate II in a-moll BWV 1003
Grave – Fuga – Andante – Allegro

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Partita II in d-moll BWV 1004
Ciaccona

Eugène Ysaye (1858 – 1931)
Sonate Nr.2 „Obsession“
Prélude – Malinconia – Danse des Ombres – Les Furies

Eugène Ysaye (1858 – 1931)
Sonate Nr. 3 „Ballade“

Niccolo Paganini (1782 – 1840)
aus den Capricci op.1
Nr. 17, Nr. 24

Zum Programm

Johann Sebastian Bach
Ich habe für das heutige Konzert die zweite Sonate in a-moll BWV 1003 gewählt. Sie beginnt mit einem Grave, in dem Bach die gesamten Verzierungen zwischen den Harmonien auskomponiert hat (was damals nicht üblich war). Anschließend eine Fuge, die ein Thema von acht Tönen in den verschiedensten Varianten (mit Zwischenspielen) durchführt. Von den insgesamt drei Fugen (Sonate g-moll, a-moll und C-Dur) halte ich die vorliegende für die schwierigste, da sie am dichtesten ist und für Interpret und Zuhörer gleichermaßen eine große Herausforderung darstellt. Der dritte Satz ist ein wunderbares Andante in C-Dur, einer der schönsten Sätze für Violine allein. Bach komponiert hier eine schlichte Melodie, die im Bass von durchgehenden Achteln begleitet wird. Das abschließende Allegro ist ein virtuoses Stück in Sechzehnteln.
Die Chaconne aus der Partita II d-moll BWV 1004 ist für Geiger das Maß aller Dinge. Mit einer Länge von 256 Takten (je nach Aufführungsdauer zwischen 12 und 17 Minuten) sprengt sie jeden Rahmen. Sie baut auf einem 8-taktigen Bass-Ostinato auf, das sich ständig wiederholt. Auf einen längeren Moll-Teil folgt ein Dur-Teil, der sich immer weiter aufbaut, bevor das Stück wieder nach Moll zurückkehrt. Es gibt Vermutungen, dass Bach die Chaconne komponierte, als ihn die Nachricht vom Tod seiner ersten Frau erreichte.

Eugene Ysaye
Eugene Ysaye hat sich in seinen 6 Sonaten für Violine solo mit den Werken Johann Sebastian Bachs und Niccolo Paganinis auseinander gesetzt. Einige violintechnische Kunstgriffe kamen noch dazu, der Tonsprache und Ästhethik des Impressionismus angepasst. Die Werke von Bach, Paganini und Ysaye decken den gesamten Bereich violintechnischer Herausforderungen ab.
Sie hören Sonate Nr.2 “Obsession” und Sonate Nr. 3 “Ballade”.

Niccolo Paganini
Zum Abschluss hören sie aus Niccolo Paganinis 24 Capricen op. 1 die Nr. 17 und Nr. 24. Niccolo Paganini schrieb diese Werke im Alter von 16 Jahren. Jede Caprice setzt sich mit einem anderen geigentechnischen Thema auseinander. Die Nummer 17 behandelt Tonleitern und Oktaven, die Nummer 24 besteht aus Variationen über ein Thema in a-moll.

Viel Vergnügen!

Sebastian Bohren

Sebastian Bohren wurde 1987 in Winterthur geboren. Nach Abschluss des Kunst- und Sportgymnasiums studierte er an den Musikhochschulen in Zürich, Luzern und München Violine bei Zakhar Bron, Ingolf Turban und Igor Karsko (Solistendiplom). Weiter erhielt er Unterricht bei Ana Chumachenco, Gerhard Schulz und Heinrich Schiff.

Der junge Geiger machte in den letzten Jahren vermehrt als Solist auf sich aufmerksam. Sein beseeltes, ausdrucksstarkes Spiel lässt ihn zu erstaunlich reifen Interpretationen gelangen. Nebst den Standardwerken gehören auch unbekanntere Violinkonzerte von Schumann, Hartmann, Panufnik, Vasks oder Szymanovski zu seinem Kernrepertoire. Im St. Petersburger Hermitage Theater, im Konzerthaus Wien, der Tonhalle Zürich oder dem KKL Luzern war er unter anderem mit dem Luzerner Sinfonieorchester unter James Gaffigan, dem Zürcher Kammerorchester unter Muhai Tang und der Staatskapelle St. Petersburg unter Elim Chan zu hören. Er arbeitete mit der Camerata Zürich unter Patrick Lange, der Philharmonie Bad Reichenhall und dem Orchestra di Padova e del Veneto unter Luca Bizzozero für seine erste Aufnahme bei Sony Classical, auf der das selten gespielte Violinkonzert von Ignaz Pleyel zu hören ist. Im April 2016 erscheint eine aufwändige Live-Einspielung von Beethovens Violinkonzert und Schumanns Fantasie, zusammen mit den Chamber Aartists, beim Label RCA Red Label.

In der Saison 2016/2017 gastiert Sebastian Bohren unter Anderem beim Berner Kammerorchester, dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt, beim Argovia Philharmonic und bei den Chamber Aartists. Mit CHAARTS nimmt er im September 2016 seine dritte CD auf, mit Violinwerken von Karl Amadeus Hartmann, Felix Mendelssohn und Franz Schubert.

Seit 2013 im Stradivari Quartett Mitglied, entwickelte Sebastian Bohren Begeisterung für die Kammermusik. An der Seite von Dmitry Sitkovetsky, Christian Poltera, Fazil Say, Thomas Demenga, Antoine Tamestit, Maximilian Hornung, Benjamin Schmid und Ensembles wie dem Schumann Quartett tritt er ebenso gerne auf wie zuweilen mit dem Zigeunergeiger Roby Lakatos. Das Stradivari Quartett hat sich in den letzten Jahren als auftrebendes, dynamisches Ensemble einen Namen gemacht. Ausgedehnte Tourneen führen die Musiker in die grössten Konzertsäle Asiens und zu den bedeutendsten Musikfestivals in Europa.

Weiterhin ist der in Zürich lebende Geiger seiner Heimat, dem Kanton Aargau, verbunden. 2015 erhielt er ein Werkjahr des Aargauer Kuratoriums, im Sommer 2015 war er “Festival Artist” am Aargauer Festival “Boswiler Sommer”. Seit einigen Jahren leitet er zudem mit grossem Erfolg eine eigene Konzertreihe in der Region Brugg. Er spielt auf einer Violine von Antonio Stradivari (King George 1710), freundlicherweise zur Verfügung gestellt durch die Stiftung Habisreutinger.

Sebastian Bohren, Photo: Marco Borggreve

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