Theater im Bauernhof (heute: Theater Meggenhofen)

Genau genommen reicht die Entstehung des Theaters im Bauernhof bis in die letzten Kriegstage des 2. Weltkrieges zurück. Damals lernte der Gastwirt Johann Payrhuber den späteren Bochumer Caritasdirektor Josef Ernesti kennen. Aus der Freundschaft dieser Männer entwickelte sich in Meggenhofen nach und nach der Fremdenverkehr, denn Ernesti schickte Kinder aus dem Ruhrgebiet nach Meggenhofen zur Erholung. Mit den Kindern kamen in der Folge auch die Erwachsenen. Der Fremdenverkehr erlebte seine Blüte Mitte der Siebzigerjahre. Die Veränderungen in den Urlaubsgewohnheiten gingen auch in Meggenhofen nicht spurlos vorüber. Durch die neue Innkreis-Autobahn erwartet man sich aber wieder einen besseren Anschluss an den europäischen Touristenstrom.

Das Erholungsdorf Meggenhofen gefiel auch dem deutschen Schauspieler und Regisseur Wolfgang Werthenbach aus Münster in Westfalen, der im Gefolge der deutschen Urlauber nach Meggenhofen kam. Den der Familie Payrhuber gehörenden Kircheckerhof in der Ortschaft Schlatt erkor er zu seinem Urlaubsdomizil. Hier besuchten ihn auch seine Freunde Charles Malcolm Chisham (Choreograph) und der Wiener Bühnenbildner Wolfgang Cäsar.

Zur Geburtsstunde des Theaters im Bauernhof war es dann nicht mehr sehr weit, denn die initiativen Kräfte der Gemeinde (damaliger Bürgermeister Ök.Rat Georg Hiegelsberger mit Gemeindesekretär Alfred Voithofer) und des Fremdenverkehrsverbandes (damalige Obfrau Grete Payrhuber) nahmen die Ideen der Theaterleute von Sommerspielen in Meggenhofen sofort wahr.

Nach den Plänen des Bühnenbildners Architekt Cäsar wurde der alte Kircheckerhof in Schlatt zu einem Freilichttheater mit 410 überdachten Sitzplätzen unter tatkräftiger Mithilfe der Gemeindebevölkerung umgebaut. Dankbar darf hier erwähnt werden, dass viele Bauern Bauholz für den Theaterbau spendeten.

Am 26. Juli 1969 war es dann soweit. Regisseur Wolfgang Werthenbach und Schauspieler von den Städtischen Bühnen in Münster in Westfalen hatten mit Calderons “Dame Kobold” Premiere im Bauernhof. Bereits das erste Spieljahr war ein Riesenerfolg. Alle Zweifel, ob das Theater bei der Bevölkerung ankommen wird, waren beseitigt. Die halbe Million Schilling, die damals in das Vorhaben von Fremdenverkehrsverband und Besitzerin des Hofes investiert wurde, war nicht umsonst ausgegeben.

Wenn Hans Martin Frese im ersten Programmheft geschrieben hat – “… und trotzdem bleibt dieses Unterfangen vorerst ein Versuch. Er stützt sich zwar auf die Erfahrungen von Theaterleuten, steht aber in einer ganz anderen Umgebung als unsere gewohnten Subventions- und Abonnementstheater. Ein Theater in einem abgelegenen Bauernhof kann jedoch nicht nur Ziel einiger weniger ‘Kunstreisender’ sein, sondern muss für die Bewohner und Besucher dieser Landschaft da sein…” – so sind diese Erwartungen voll aufgegangen. Aus dem Versuch wurde ein mehr als drei Jahrzehnte anhaltender Erfolg. In den vielen Jahren seines Bestandes ist das Theater im Bauernhof zu einem festen Bestandteil des oberösterreichischen Kulturgeschehens geworden. Seinem Auftrag als Kulturzentrum im ländlichen Raum kommt es durch eine bunte Palette von Theateraufführungen und anderen kulturellen Darbietungen nach. Sein Bestand wird auch von den höchsten Stellen des Landes anerkannt und unterstützt.

Den Intentionen des Theaters entsprechend überwiegt bei den Aufführungen die heitere Muse. So war eine Reihe von Degen- und Mantelstücken des spanischen Barocks und der italienischen Commedia dell’arte auf dem Programm. Aber auch die deutsche Klassik war in Inszenierungen vertreten. Aktuelle Anlässe wie z.B. der 200. Geburtstag Kleists oder das Bauernkriegsgedenken haben ebenso Einfluß auf den Spielplan genommen. Selbstverständlich waren auch österreichische Autoren von Grillparzer über Nestroy bis Hochwälder im Programm. Aber auch volkstümliche Stücke und modernes Boulevardtheater standen auf dem Spielplan. Konzerte, Volkstumsabende und Kindervorstellungen runden das Programm ab.
Der Gastwirt Johann Auzinger für den Tourismusverband löste 1991 Grete Payrhuber in ihrer Funktion ab, und Bürgermeister Karl Harrer löste 1989 Ök.Rat Georg Hiegelsberger in seiner Funktion ab. Herr Alfred Voithofer leitete mit seiner Frau Maria weiterhin das Theater.

Im 36. Jahr seines Bestehens gibt es vom Theater in Meggenhofen Neues zu berichten: Nachdem unser langjähriger Amtsleiter und eigentlicher Theaterbetreiber, Alfred Voithofer, nach der Saison 2002 mit seinem erfolgreichen Team in den verdienten Ruhestand getreten ist, stellte sich die Frage, wie es mit unserem Theater weitergehen sollte. Nach einer Nachdenkphase, in der es 2003 zu einem Übergangsjahr mit einem Theaterwochenende im Juni gekommen war, hat man sich entschieden, diese wichtige kulturelle Einrichtung mit langer Tradition unbedingt weiterleben zu lassen. So kam es dann im Herbst 2003 zur Gründung des Vereines “Theater im Bauernhof” (TIB).
Das neue Team unter Obmann Mag. Heinz Söllinger hat es sich zum Ziel gemacht, ein neues Image, bzw. Profil aufzubauen, das auch in Zukunft untrennbar mit dem Begriff “Theater im Bauernhof” in Verbindung gebracht werden soll. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass sowohl früheres Stammpublikum als auch eine junge Generation von Theater- und Kulturinteressierten gerne nach Meggenhofen kommen.
Das Programm soll zum Hof und auch zur Gegend passen. Besonders wird danach gestrebt, dem modernen österreichischen Volksstück breiteren Raum zu schenken, aber auch Bühnenwerke der Weltliteratur sollen bei uns Platz finden. Darüber hinaus, und das scheint uns durchaus innovativ, soll auch jungen Musikern aus der näheren Umgebung die Möglichkeit geboten werden, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren. Ergänzt wird das Programm durch Dichterlesungen, Open-air-Kinovorstellungen, Kindervorstellungen und speziell vorbereitete Schülervorstellungen vor den großen Ferien.
Wir wollen nicht nur einen wichtigen Impuls für das Kulturleben in unserer Region setzen, sondern auch eine positive Werbung für den Fremdenverkehr im Hausruck, “im Landl” betreiben.